Autobiografische Kurzgeschichte 3

Namen aus Gründen geändert. Situation genau so passiert. TW: sexueller Missbrauch; Gewalt

Nach dem beängstigenden fast-Erstem-Mal mit Marcel, wusste Jesse erstmal nicht was er machen sollte. Er war verwirrt. Eigentlich sollte das ja etwas Schönes sein, warum fühlte er sich dann so benutzt? Seine Kusinen erzählten ihm, dass das Erste Mal immer so ist, dass Marcel nicht der Richtige wäre, dass Jesse nur Erfahrung sammeln müsste, dass „Sex nun mal so für Frauen ist und man da einfach durch müsse“, dass Sex eben nur was für Männer wäre, nur Männern Spaß machen würde. Und Jesse glaubte ihnen, er glaubte was man ihm erzählte. Somit fügte er sich in sein vermeintliches Schicksal. Sex gehörte nun mal zu einer Beziehung dazu, also ließ er es über sich ergehen. Trennung war für ihn keine Option. Würden doch dann wieder Fragen auftauchen, und diese dämlichen Verkupplungsversuche wieder anfangen. Nein, Jesse versuchte das Beste daraus zu machen.

Doch bald schon konnte er es nicht mehr ertragen. Das angefasst werden. Wenn Marcel wollte, sagte Jesse ihm, dass er lieber schlafen wollte, doch Marcel gab nicht auf. Fasste ihn weiter an. Erst sanft, aber als Jesse ihm deutlich sagte, dass er nicht wolle, wurde Marcel grober. Er packte ihn bei den Armen und lehnte sich mit seinem Gewicht auf ihn. Jesse bekam Angst. Er wollte das nicht, aber noch weniger wollte er, dass ihm weh getan wurde.
„Wenn ich mich weiter wehre, wird er noch grober, schlägt mich vielleicht und nimmt mich mit Gewalt.“ Also gab Jesse nach und ließ es über sich ergehen. „Wenn ich ihn machen lasse und ihm gebe was er will, lässt er mich in Ruhe. Dann wird er mir nicht wehtun.“, dachte Jesse. Außerdem hatte man ihm doch erzählt, dass es so abläuft. Dass es unangenehm für alle Frauen ist und man es einfach über sich ergehen lassen muss. Also tat er es. Obwohl er nicht wollte. Obwohl er es eklig fand.
Dann eines Nachts, hielt er es nicht mehr aus. Jesse schlief schon, als Marcel nach Hause kam. Marcel fing wieder an ihn anzufassen. Zuerst bemerkte Jesse es gar nicht. Schlief er doch zu tief. Doch dann wurde er langsam wach und erkannte was Marcel da versuchte. Genervt schob er die Hand weg und sagte, dass er nicht wolle. Doch wie immer hörte Marcel nicht darauf. Jesse schälte sich aus seinen Händen und rammte Marcel seinen Ellbogen in den Magen. Dann sprang er aus dem Bett, schnappte sich seine Sachen und lief hinüber ins Wohnzimmer, wo er sich schnell anzog. Doch Marcel kam ihm hinterher, packte ihn an den Oberarmen, drückte ihn mit dem Rücken an die Wand und versuchte ihn zu küssen. Er war betrunken, erkannte Jesse jetzt. Er wand sich hilflos in Marcels festem Griff und trat ihn dann zwischen die Beine. Er war kurz frei bevor Marcel ihn hart ins Gesicht schlug. Jesse wusste, er musste hier raus oder diese Nacht würde noch weit schlimmer für ihn werden. So schnappte er sich den erstbesten Gegenstand der auf dem Wohnzimmertisch stand und warf ihn Marcel an den Kopf, bevor er sich seine Schlüssel schnappte und aus der Wohnung flüchtete. Bange Sekunden stand er vor der Haustür, fragte sich wo er jetzt hin sollte. Seine Freundin Mary hatte eine Wohnung in der Nähe, doch leider auch eine drogensüchtige Mitbewohnerin. Dann fiel ihm ein, dass ein guter Freund von Mary gleich in der Nähe wohnte. Jesse hatte ihn erst am Tag zuvor kennengelernt. Er wusste nicht ob er ihm trauen konnte, doch es war die schnellste Lösung. Also hastete er zur Haustür und klingelte Sturm bei Jonas. Nachdem er ins Haus gelassen wurde stand Jesse kurz darauf vor einem verschlafen und schockiert guckenden Jonas. „Was ist passiert?“, fragte er sogleich nachdem er ihn hineingelassen hatte. Schnell schilderte Jesse ihm was sich soeben ereignet hatte. Jonas Augen wurden während der Erzählung immer größer bis er ausstieß: „Er hat was gemacht?! Der kann was erleben!“ Er sprang auf und wollte zur Tür hinaus wurde jedoch von Jesse aufgehalten. „Das lass mal bitte! Bin gerade einfach froh, dass er keine Ahnung hat wo ich hin bin.“ Widerwillig ließ Jonas sich beruhigen und bot Jesse einen Schlafplatz an. Für den Moment war Jesse sicher. Was morgen sein würde, darüber machte er sich noch keine Gedanken.

 

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